Die KKR zu Besuch im Atelier von Jan Lüthi – Gitarren Restaurator 

 Am 17. Mai 2016 besuchte die Kulturkommission Jan Lüthi in seinem Atelier an der Lobenschwendistrasse 4 in Rehetobel. Wir wurden von ihm und seiner Frau Viola sehr freundlich empfangen. Der Berichtende kam vor gut zwei Jahren in Kontakt mit Jan Lüthi als er übers Internet eine von ihm komplett restaurierte „Vintage“ Gitarre, eine Framus Junior J-155 mit Jahrgang 1972 kaufte.
 
 Jan Lüthi kam 1981 in Huttwil BE auf die Welt und wuchs in Murten FR auf. Schon früh entwickelte er eine Begeisterung für Rock’n’Roll (Elvis Presley) und die Pop Musik (The Beatles). Mit elf Jahren begann er Gitarrenunterricht zu nehmen und mit sechzehn Jahren kaufte er sich seine erste elektrische Gitarre. Das war eine Fender Stratocaster, die er bald nach eigenen Vorstellungen umbaute und modifizierte. Leider liess sich sein Berufswunsch (Gitarrenbauer – what else?) nicht umsetzen und so schloss er eine Lehre als Kaufmännischer Angestellter ab. Nach der Lehre begann er als Verkäufer im Musikhandel mit ersten Arbeiten an gebrauchten Gitarren im Kundenauftrag sowie als selbständiger Gitarrenlehrer zu arbeiten. Ab 2004 startete er mit diversen Tätigkeiten als Ton- und später auch als Haustechniker für die in der alternativen Musikszene international bekannte Kulturinstitution Bad Bonn in Düdingen FR.

  Seit dem Umzug nach St. Gallen, einem kurzen Umweg über Trogen nach Rehetobel arbeitet Jan als Freelancer im Tontechnikerbereich, was ihm Zeit und Möglichkeiten gibt die Restauration und den Verkauf von „Vintage“ Gitarren, akustischen wie elektrischen, weiter zu verfolgen und zu intensivieren. Speziell fokussiert hat sich Jan auf Marken wie Framus, Höfner, Hagström oder andere sogenannte „Cheapos“ aus den fünfzigern bis siebziger Jahren, die er vorwiegend in Deutschland besorgt. Mit viel Sorgfalt, einigem Improvisationsgeschick, oftmals auch verbunden mit einer langwierigen und intensiven Suche nach Originalteilen im Internet restauriert er die Gitarren. Dies immer mit dem hauptsächlichen Ziel sie in jedem Fall für die zukünftigen Benutzer wieder spielbar zu machen. Sobald eine Restauration abgeschlossen ist bietet er die Gitarre in seinem Internet Shop zum Verkauf an. Jan macht aber auch Service- oder Restaurationsarbeiten an ihm gebrachten Instrumenten. Der Berichtende hat Jan einige seiner Instrumente zur Überarbeitung anvertraut und er war immer sehr zufrieden, begeistert über die Qualität, die Leidenschaft und die Sorgfalt durch die sich Jan’s Arbeit auszeichnet. 

 In der lockeren Runde erfahren wir einiges zur Geschichte der elektrischen Gitarre. Und siehe da „Wer hat’s mit erfunden?“ – ein Schweizer natürlich! Nämlich der 1891 mit seiner Familie aus dem Baselland nach Amerika ausgewanderte Adolph Rickenbacher. Gemeinsam mit George Beauchamp und Paul Barth entwickelte er 1931 einen elektromagnetischen Tonabnehmer und baute die erste elektrische Hawaiigitarre. Aufgrund ihrer eigenwilligen Form nannte man sie „Rickenbacker Frying Pan“ (= Rickenbacker Bratpfanne). Diese Lap-Steel Guitar gilt bis heute quasi als das Urmodell, als erste ab 1932 in Serie hergestellte elektrische Gitarre.  

1936 brachte die Firma Gibson mit der halbakustischen ES-150 eine Schlaggitarre auf den Markt, die über einen Verstärker gespielt auch laut genug war um sich in einem Orchester durchzusetzen. Da Halb- oder Vollresonanzgitarren bei hohen Lautstärken zu Rückkopplungen neigen kamen zu Beginn der 50’er Jahre die ersten Massivholzgitarren (= Solid Body) auf den Markt; so unter anderen die klassischen Modelle der Gibson Les Paul sowie die Telecaster und die Stratocaster von Leo Fender. Etwa zur selben Zeit wurden in Europa von deutschen Firmen wie Framus und Höfner, in Schweden durch die Firma Hagström oder im fernen Japan unter dem Label Ibanez akustische und elektrische Gitarren gebaut. Und obwohl in den letzten Jahren die Tendenz zur vom Computer erzeugten Musik vorwiegt bleibt die elektrische Gitarre weiterhin ein stilprägendes Arbeitsinstrument in der Musikszene, dies vor allem auch wenn die Musik live auf der Bühne gespielt wird.  
Seit diesem Jahr ist Jan Lüthi Besitzer einer eigenen Marke mit Logo und er führt unter der Internetadresse www.stageguitarservice.com einen Internet Shop.
 
Über Besuche in seinem Atelier freut er sich sehr, aber da er momentan freiberuflich viel unterwegs ist – die alljährliche Festivalsaison hat begonnen – sind solche nur nach Anmeldung möglich.
 
 Für die KKR im Juni 2016, Hans Rudolf Lüscher  

„Wie die Beatles, es wird nie wieder etwas wie sie geben. Wie mein Elvis Presley. Ich war der Elvis des Boxens.“ Muhammad Ali - R.I.P.

Die KKR zu Besuch im Atelier von Luzia Lenggenhager und Rolf Trochsler



Die KKR zu Besuch im Atelier von Luzia Lenggenhager und Rolf Trochsler
  
Am 2. Dezember 2015 traf sich die KKR mit Luzia Lenggenhager zur Atelierbesichtigung im Dorf 3. Über eine hausinterne Treppe steigen wir in die grossräumigen und langgezogenen Kellerräume hinunter. Früher wurden diese Räume von der Familie Lutz zur Weinherstellung und -abfüllung sowie Weinlagerung erbaut und zu diesem Zweck benutzt. In einem hinteren Kellerraum, der jetzt zur Lagerung von verschiedensten Papieren, Offsetdruckplatten, Hölzern, etc. dient finden sich noch Hinweise auf die ursprüngliche Benutzung. So sind die massiven Holzgestelle mit diversen Weinsorten beschriftet. Linksseitig führt eine Rampe zu einem südlichen Ausgang auf die Heidenerstrasse. Ein weiterer Ausgang liegt am andern Ende des Ateliers unmittelbar neben der Galerie Tolle – Art&Weise.   Im ersten Atelierraum steht eine alte, in Deutschland hergestellte handbetriebene Lithografiepresse. Daneben aufgereiht und gestapelt liegen viele Lithosteine in unterschiedlichen Grössen und Qualitäten. Die Wahl des geeigneten Steins wird bestimmt durch die geplante Zeichentechnik. Ob zum Beispiel eine Kreide-, Tusche- oder Federzeichnung oder ein Mehrfarbendruck vorgesehen ist. Je härter der Stein umso besser seine Qualität und Eignung für z. B. eine Tuschezeichnung.   Vor dem Bezeichnen des Steins muss dieser in anstrengender Handarbeit vorbereitet werden. Dazu wird er mit einer Schleifscheibe oder mit einem zweiten Stein und Gebrauch von Quarzsand fein geschliffen. Die Korngrösse des Sandes wählt man wiederum entsprechend dem geplanten Objekt. Zum Bezeichnen benutzt man spezielle, fetthaltige Lithokreiden oder Lithotusche. Die nächsten Schritte dienen dann dazu die fettführenden Stellen zu verstärken sowie die nicht zu druckenden Stellen „wasserfreundlich“ zu halten. Dadurch werden die im anschliessenden eigentlichen Druckverfahren von den Künstler_innen bezeichneten „fettfreundlichen“, vor dem Drucken ausgewaschenen Partien beim Einwalzen der fetthaltigen Farben diese annehmen - die übrigen, nicht bezeichneten und wasserführenden Partien diese abstossen. Ist der Stein eingefärbt wird das Papier darüber gelegt und die Zeichnung auf der Steindruckpresse unter grossem Druck vom Stein auf das Papier übertragen.   Doch zurück zum Atelier; im mittleren Raum, der auch gelegentlich für Konzerte genutzt wird, stehen diverse Schriftsetzdruckmaschinen, –utensilien und es ist eine Vielzahl von verschiedenen Schriften und Schriftzeichen zu bemerken. In naher Zukunft werden Besichtigungen von diesem Teil des Ateliers möglich sein (Hansruedi Traber).   Im hintersten Abschnitt des Kellers befindet sich der hauptsächliche Arbeits- und Atelierbereich. Hier ist ein kleiner Raum mit alten ausrangierten Fenstern abgetrennt. So lässt sich dieser auch einfacher beheizen. Auf dem darin befindlichen grossen Tisch wird gezeichnet, geschnitten, Druckschritte vorbereitet, geklebt, aber auch Holz und Tonarbeiten und/oder ähnliche künstlerische Arbeiten werden hier gemacht. Die an der Wand montierten Tablare sind übervoll belegt mit Büchern, kleinen Bildern, Plastiken, Zeichnungen, Entwürfen sowie diversen Arbeitsutensilien. Überall, im ganzen Atelier finden sich Bilder und Skulpturen die von einem vielfältigen und kreativen Schaffen zeugen.   Ebenfalls im hinteren Teil des Raumes steht eine zweite Lithografiepresse die für experimentelles Arbeiten mit verschiedenen Materialien und Techniken verwendet wird. Doch den meisten Platz beansprucht eine Offsetpresse. Ein Druckverfahren das mit lichtsensiblen Offsetplatten arbeitet, die verschieden abgedeckt und belichtet werden. Im Druckprozess wird das Bild im ersten Schritt auf eine Gummiwalze und im zweiten Schritt von der Walze auf das Papier übertragen. Bei diesem Druckverfahren ist ein seitenrichtiges Bezeichnen der Platte möglich – im Gegensatz zur klassischen Lithografie wo die Steinplatte seitenverkehrt gestaltet werden muss.   Über dem ganzen Atelier liegt eine gewisse Patina, der Schreibende erlebt hier schon fast einen musealen Charakter. Dieser Eindruck deckt sich mit den Vorstellungen von Luzia Lenggenhager und Rolf Trochsler. Für sie beide sei es wichtig, dass das wertvolle Wissen über, sowie die Erfahrung mit dem qualitativ hochstehenden, differenzierten und anspruchsvollen Lithografieverfahren nicht verloren gehe. Dazu dienen auch Projekte in Zusammenarbeit mit anderen Kunstschaffenden (so wie stattgefunden bei einem Lithografieprojekt mit Künstler_innen aus allen Alpenländern) und es wäre für sie spannend, wenn sich wiederum etwas ähnliches realisieren liesse.   Neben der „musealen“ Herstellung von Lithografien eröffne sich aber auch eine immense Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, wenn man dieses alte Flachdruckverfahren mit zusätzlichen Bearbeitungen und Ideen kombiniere und es dadurch erweitere. Dies mache Freude, wecke Neugier und warte darauf wieder entdeckt zu werden.    

Für die KKR im Januar 2016, Hans Rudolf Lüscher